Barbara Bredner


Statistische Beratung und Lösungen

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Teil 3: Wofür gibt es (am meisten) Geld?

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Wie in Teil 2 gesehen gibt es eine ganze Reihe von Rahmenbedingungen, die das Gehalt eines Qualitäters beeinflussen kann. Da stellt sich dann nur noch die Frage, welches die entscheidenden Einflussgrößen sind: Sollte man eine höhere Position im Unternehmen anstreben? Nach Süddeutschland auswandern? Oder doch über eine Geschlechtsumwandlung nachdenken?

Mit einem SPM (statistischen Prozess-Modell) wird hier untersucht, welche Rahmenbedingungen einen echten (signifikanten) Effekt auf die Höhe des Qualitäter-Gehalts hat. Eine Erklärung dafür, was ein SPM ist und wie es funktioniert, findet Ihr im Tutorial. Das Prozessergebnis Y in der Gehalts-Umfrage ist übrigens das Gehalt. Es entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Einflussgrößen, unter anderem der Rahmenbedingungen wie sie mit dem Fragebogen aufgenommen wurden.

Leider gibt es nicht genügend Antworten, um in diesem SPM auch das Gehalt der Qualitäter aus Österreich untersuchen zu können. Die folgenden Aussagen beziehen sich deshalb auf 106 Qualitäter aus Deutschland.

1. Suchen nach wichtigen Rahmenbedingungen (Einflussgrößen)

Zunächst wird das SPM mit allen möglicherweise relevanten Einflussgrößen aufgebaut. Dazu gehören:

  • Bonus
  • Auto
  • sonstige Zusatzleistungen
  • Bundesland-Kategorien BW, BY, NW, andere
  • Nord-Süd-Bundesländer
  • Ost-West-Bundesländer
  • Geschlecht
  • Alter
  • Position
  • Wochenstunden (Vertrag)
  • Wochenstunden (real)
  • Urlaubstage
  • Personalverantwortung
  • Budgetverantwortung
  • Branche
  • Anzahl Mitarbeiter

Bei der Bewertung, welche Einflussgrößen einen echten (signfikanten) Effekt auf die Zielgröße haben, wird der p-Wert als Kriterium verwendet. Wie diese Entscheidung genau funktioniert, findet Ihr im Tutorial.

Einflussgrößep-WertEchter Effekt auf Gehalt?
Bonus11,62%nein
Auto<0,01%ja
sonstige Zusatzleistungen7,84%nein
Bundesland (BW, BY, NW, andere)0,02%ja
Nord-Süd-Bundesländer35,07%nein
Ost-West-Bundesländer2,37%ja
Geschlecht4,40%ja
Alter1,54%ja
Position4,00%ja
Wochenstunden (Vertrag)1,47%ja
Wochenstunden (real)11,09%nein
Urlaubstage3,64%ja
Personalverantwortung51,64%nein
Budgetverantwortung65,85%nein
Branche31,00%nein
Anzahl Mitarbeiter2,35%ja

Für die Gehalts-Umfrage wird von einem echten Effekt ausgegangen, wenn der p-Wert der Einflussgröße kleiner als 5% ist. (α wurde auf 5% festgesetzt.)

Überraschenderweise gibt es also weder ein echtes Nord-Süd-Gefälle in den Gehältern noch ein höheres Gehalt durch die Übernahme von Personal- und/oder Budget-Verantwortung.

Die Einflussgrößen mit einem echten Effekt auf die Höhe des Gehalts werden in einem zweiten SPM näher untersucht.


2. Beschreibung des Einflusses durch die wichtigen Rahmenbedingungen

Damit kein unnötiger Ballast in Form einer langen Liste von Einflussgrößen getragen werden muss, werden die nicht-signifikanten Einflussgrößen aus dem SPM entfernt und anschließend ein neues (reduziertes) SPM berechnet.

Die berücksichtigten Einflussgrößen im zweiten SPM sind:

  • Auto
  • Bundesland-Kategorien BW, BY, NW, andere
  • Ost-West-Bundesländer
  • Geschlecht
  • Alter
  • Position
  • Wochenstunden (Vertrag)
  • Urlaubstage
  • Anzahl Mitarbeiter

Im zweiten SPM haben alle Einflussgrößen bis auf die Anzahl Urlaubstage einen echten Effekt auf das Gehalt. Daher wird im endgültigen SPM noch die Anzahl Urlaubstage aus der Modellierung ausgeschlossen.

3. Endgültiges SPM

Echte Effekte auf das Gehalt

Einflussgrößep-WertEchter Effekt auf Gehalt?
Auto<0,01%ja
Bundesland (BW, BY, NW, andere)<0,01%ja
Ost-West-Bundesländer2,86%ja
Geschlecht3,30%ja
Alter0,61%ja
Position1,04%ja
Wochenstunden (Vertrag)1,30%ja
Anzahl Mitarbeiter1,25%ja

Die p-Werte verändern sich, wenn Einflussgrößen aus dem SPM entfernt werden, da die zur Verfügung stehende Information anders ausgenutzt wird.


Qualität des SPMs

Die Qualität eines SPMs lässt sich an zwei Kriterien festmachen (vgl. Tutorial):

  1. Der Erklärungsgrad (synonym: Anpassungsgüte, Bestimmtheitsmaß) R2 ist hoch.
  2. Der nicht-erklärte Rest (Residuen) ist klein und normalverteilt.

Der Erklärungsgrad des endgültigen SPMs ist mit 63% akzeptabel. Da das Gehalt durch deutlich mehr Rahmenbedingungen beeinflusst wird als in der hier durchgeführten Befragung erfasst werden konnte, sind 63% ausreichend. (In technischen Prozessen sollten es 80% sein, wenn das Mess-System halbwegs zuverlässige Werte liefert.)


Wahrscheinlichkeitsnetz Residuen Histogramm Residuen

Die Residuen sehen im Wahrscheinlichkeitsnetz und Histogramm normalverteilt aus.

Der Anderson-Darling-Test auf Normalverteilung liefert einen p-Wert von 7,1%. Damit wird die Annahme der Normalverteilung mit mehr als 5% gestützt, d. h. die Residuen sind normalverteilt und erfüllen damit eine der Anforderungen an ein gutes SPM.

Wegen der nicht ganz optimalen Anpassungsgüte (s. o.) ist die Rest-Unsicherheit des Modells relativ hoch (S=11.580). Aus dem SPM können daher Tendenzen abgeleitet werden. Wie hoch das Gehalt im Einzelfall ist, lässt sich aber nicht exakt vorhersagen.


Vorhersage gegen Residuen Histogramm Residuen

In der Grafik "Modell-Reste vs. Modell-Schätzung" sind die Residuen von jedem Fragebogen (der nicht-erklärte Rest) den Werten gegenübergestellt, die mit dem endgültigen SPM für diesen Fragebogen geschätzt (berechnet) wurden.

Weder in dieser Grafik noch in der folgenden Grafik (Modell-Reste vs. Fragebogennummer) zeigen sich auffällige Strukturen.

Damit erfüllt das endgültige SPM zwei weitere Anforderungen an ein qualitativ hochwertiges Modell.


Wie wirken sich die Rahmenbedingungen auf das Gehalt aus?

So viel Text bevor es wirklich spannend wird! Muss das denn sein? Ja. Denn diese Auswertung ist eins von vielen Beispielen dafür, dass man mit Statistik auch haltbare Aussagen treffen kann. Genau dafür sollte zuerst geprüft werden, ob die Daten aussagekräftig genug sind um dann im zweiten Schritt die Ergebnisse zu interpretieren.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Auswirkungen durch die Rahmenbedingungen bei den Einflussgrößen im endgültigen SPM:

EinflussgrößeVergleich/VeränderungAuswirkung auf das Gehalt
Grundgehaltkonstant69.357 Euro
Autoja (im Vergleich zu nein)+12.637 Euro
Bundesland (BW, BY, NW, andere)BW (im Vergleich zu "anderen Bundesländern")+6.333 Euro
BY (im Vergleich zu "anderen Bundesländern")+13.311 Euro
NW (im Vergleich zu "anderen Bundesländern")-4.641 Euro
Ost-West-BundesländerOst (im Vergleich zu West)-10.014 Euro
Geschlechtmännlich (im Vergleich zu weiblich)+4.582 Euro
Alterje Jahr+584 Euro
PositionGruppenleiter (im Vergleich zu Abteilungsleiter)-11.939 Euro
Sachbearbeiter (im Vergleich zu Abteilungsleiter)-15.085 Euro
andere Position (im Vergleich zu Abteilungsleiter)-5.039 Euro
Wochenstunden (Vertrag)je Wochenstunde-878 Euro
Anzahl Mitarbeiter1-10 (im Vergleich zu >10.000)-18.083 Euro
11-50 (im Vergleich zu >10.000)-14.549 Euro
51-200 (im Vergleich zu >10.000)-8.996 Euro
201-500 (im Vergleich zu >10.000)-13.212 Euro
501-1.000 (im Vergleich zu >10.000)-6.880 Euro
1.001-5.000 (im Vergleich zu >10.000)-6.698 Euro
5.000-10.000 (im Vergleich zu >10.000)+7.906 Euro

Vom Grundgehalt (69.357 Euro) werden je nach Rahmenbedingungen die Zahlen in der letzten Spalte addiert oder subtrahiert.

Ein Rechen-Beispiel:

Ein Qualitäter ohne Auto (Firmenwagen) in Bayern (BY), männlich, 35 Jahre, Gruppenleiter, 38,5 Wochenstunden in einer Firma mit 201-500 Mitarbeitern verdient danach:

Gehalt

= Grundgehalt (69.357)
+ Auto (nein= 0)
+ Bundesland (BY= +13.311)
+ Geschlecht (männlich= +4.582)
+ Alter (35 x 584)
+ Position (Gruppenleiter= -11.939)
+ vertragliche Wochenstunden (38,5 x -878)
+ Anzahl Mitarbeiter (201-500= -13.212)

= 69.357 + 0 + 13.311 + 4.582 + 13.440 - 11.939 - 33.803 - 13.212

= 41.736 Euro

Ob Du mit Deinem Gehalt zu den Angaben aus den Fragebögen passt, kannst Du im Online-Gehaltsrechner für Qualitäter nachschauen. Der Rechner verwendet die Zahlen aus dem endgültigen SPM.


Moment mal: Mehr Wochenstunden = weniger Gehalt?!

Ja, dieser Zusammenhang existiert in der Umfrage tatsächlich. Vermutlich liegen da noch andere Faktoren hinter die nicht erfragt wurden, z. B. Tarifverträge.

Jede zusätzliche Wochenstunde verringert das Gehalt um 878 Euro / Brutto pro Jahr. Allerdings variiert die Anzahl der vertraglichen Wochenstunden nur relativ wenig (mit einigen Ausnahmen bei den Teilzeitverträgen, vgl. Wochenstunden). Insofern reichen diese Daten eben nur aus, den negativen Effekt durch eine höhere Anzahl Wochenstunden anzugeben.

Vielleicht ist es auch tatsächlich so, dass es in den Firmen mit einer geringen Wochenstundenzahl einfach ein höheres Lohnniveau gibt und die anderen Firmen mit mehr Wochenstunden auch eher im niedrigeren Lohnsektor anzusiedeln sind. Das halte ich für durchaus plausibel, auch wenn es auf den ersten Blick seltsam erscheint.


Fazit

Wer auf der Suche nach einen neuen Herausforderung ist und dabei ein hohes Gehalt für die Qualitäter-Arbeit bekommen möchte, sollte:

  • sich bevorzugt in Bayern oder Baden-Württemberg umschauen (wenn das nicht geht, alternativ ein anderes Bundesland in Westdeutschland)
  • auf einem Firmenwagen bestehen
  • sich auf die Position eines Abteilungsleiters bewerben
  • in einer Firma mit 5.000-10.000 Mitarbeitern
  • und einem Arbeitsvertrag mit möglichst wenig Wochenstunden

Günstig wäre außerdem ein XY-Chromosomensatz und ein relativ hohes Alter (>50 Jahre). Das lässt sich nur nicht direkt beeinflussen ;)


Viel Spaß mit den Ergebnissen & bei den (neuen) Gehaltsverhandlungen! Zum Online-Gehaltsrechner für Qualitäter


Danke an alle, die bei dieser Umfrage mitgemacht haben!


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